Heiterkeit

Natürlich tanze ich im Regen sagte sie und hüpfte von der einen Stelle auf die andere. Ihr blaues Kleid hüpfte mit. Schelmisch lächelte sie vor sich hin. Es gibt keine schöneren Momente als diese, dachte sie bei sich und machte einen Luftsprung. Die Menschen die an ihr vorbeigingen schauten sie verständnislos an oder blickten neidisch zu ihr hin, so nach dem Motto, könnte ich das doch nur auch. Raus aus dem Korsett der Illusionen, raus aus dem Gefängnis der Zwänge, raus aus dem Trott des Alltags. Sie war älter als die meisten ihrer Beobachter, fühlte sich aber wie ein Kind, welches sorglos zwischen den Pfützen hin und her hüpfte. Sie strecke die Arme aus, drehte sich im Kreis, legte den Kopf in den Nacken und ließ die Regentropfen in ihr Gesicht prasseln. Offensichtlich genoss sie es.
Der Himmel war grau, mit hängenden Köpfen zogen die meisten Menschen ihre Regenschirme aus der Tasche und liefen eilig durch die Straße, als würde hinter der nächsten Ecke die Sonne aufgehen.
Der Mann aus dem Schnellimbiss schloss wie jeden Morgen zur gleichen Zeit die Tür zu seinem Restaurant auf, der Banker von gegenüber lief wie jeden Morgen mit einem Becher Kaffee in der Hand in sein Büro, grüßte mit einem verheißungsvollen Lächeln die hübsche Bäckerfachverkäuferin und verschwand dann hinter den großen, schweren Glastüren.
Alles lief seinen gewohnt Gang. Obwohl nicht ganz- der Arzt der jeden Morgen um die gleiche Zeit mit seinem Hund die Straße zu seiner Praxis entlang lief, kam heute später als gewöhnlich vorbei und wechselte auch nicht die Straßenseite.

Noch etwas war anders. Am Straßenrand sah man seit einigen Tagen Blumen blühen. Als hätte sie jemand still und heimlich dahin gesetzt und auf einmal waren sie da. Unbemerkt herangewachsen verändern sie das Bild der Stadt. Sie wirkt bunter, lebendiger und fröhlicher. Als hätte sie ein Herz und als würde dieses angefangen haben zu schlagen. Es war wie als würde diese Heiterkeit die Vögel anstecken und sie dazu bewegen ihre schönsten Lieder aus voller Kehle von Dächern und Bäumen zu schmettern. Der Himmel hörte dies und ließ es sich nicht nehmen in seiner Freude eine ordentliche Portion Regen über dieses Land auszuschütten- in der Hoffnung, dass es er jemanden damit ebenfalls beglücken konnte.

So kam es dass sich die Löcher der Straßen mit Wasser füllten, so kam es dass die meisten Menschen mit gesenkten Köpfen eilig durch die Straßen liefen als würde die Sonne hinter der nächsten Straßenecke auf sie warten und so kam es dass sie ihre Regenschirme zückten um den Angriff von oben abzuwehren. Die meisten taten dies. Andere saßen drin und beobachteten dieses Schauspiel, froh dass sie im trockenen sitzen konnten, sie sahen wie die Menschen ihre Jacken enger um sich schlangen, wie sich der Hund vom Arzt einmal kräftig schüttelte. Und einige konnten sogar hören wie jemand sagte „ Natürlich tanze ich im Regen“ und sie sahen dabei wie ein blaues Kleid auf und ab hüpfte und fingen an darüber zu lächeln.

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Frei- Ein Adler

Wie ein Vogel im Wind- hin und her getragen, seine Flügel ausgebreitet- bereit zu schweben, die Böen tragen ihn wohin sie wollen. Höher und höher- zu den Gipfeln der Berge, weiter und weiter- zu den Wipfeln der Bäume. Seine Augen fokussieren das nächstes Ziel, sein Flügelschlag kraftvoll.

Das Nest der Wärme hat er verlassen um dorthin einst wieder zurück zu kehren. Er selbst hält sich nicht. Mutig und frei lässt er sich gleiten- am Himmel sehen wir ihn nur von Weitem, hören seinen Ruf den er dem schickt, der ihn erschuf.
Erkundet die Welt und lebt im „sein“- möcht gern wie ein Vogel sein. So schwerelos und ohne Gefahr durchs leben gleiten.

Breite meine Arme aus und rufe zu dem Wind er soll mich tragen. Gerade dann wenn Stürme des Lebens toben- halt ich ganz still und breite meine Flügel aus, weil ich weiß, dass ER mich tragen will.
Mein Blick richtet sich nach vorn- fokussiert aufs nächste Ziel und gleichzeitig in Blickkomtakt mit dem der mich halten will.

Von unten nach oben, von rechts nach links, durch den Sturm des Lebens trägt mich der Wind. Ich lasse los und lass mich fallen auch von den Stimmen die noch in mir hallen und einst gefallen- haben, mich halten und binden- verhindern zu fliegen.
Lösen von Altem und mutig den Blick zu heben in das Gesicht von dem ich weiß, dass seine Hände immer halten. Sein Atem ist der Wind der mich zum fliegen bringt mich trägt wenn ich schwach bin und mich mit nach Hause nimmt.

Ritter der Barmherzigkeit- Für Moses

Normalerweise erzähle ich keine Geschichten, aber diese muss ich erzählen. Normalerweise mache ich auch nicht mehr viele Worte, ich bin schon alt. Meine Augen haben viel gesehen. Gutes und schlechtes. Meine Ohren haben schon viel gehört, und meine Füße sind viele Wege gegangen- Umwege und Irrwege, solche die leicht sind und auch jene die mühsam bergauf gehen. Mal allein, mal in Gemeinschaft.
Vieles ist lohnenswert, und so viel vergeudete Energie. Deswegen wähle ich meine Worte weise aus um das Gute damit zu erschaffen und dem schlechten die Tür zu schließen.
Normalerweise erzähle ich keine Geschichten aber diese muss ich erzählen,…

Ich war einmal in einem Land unterwegs was ich mir nicht selbst aussuchte. Ich lebte dort in einer Stadt in der die Menschen müde waren und viel arbeiteten. Die Mauern der Stadt waren nur unvollständig aufgebaut. Zum Wasserholen musste man ein Stück über die Wiesen durch den Wald gehen und wenn man in die Stadt hinein wollte kam man unweigerlich an armen und kranken Menschen vorbei.
Jeden Tag führte mein Weg dort vorbei. Ich wohnte in einem kleinen Zimmer unter dem Dach eines alten Häuschens. Sein Besitzer war ein alter Mann der sich kaum für jemanden.
Ab und zu saß ich am Fenster und sah den Kindern beim Spielen zu. Es gab einen Jungen der nicht an diesen Ort passte, denn so wie er war war so anders als all das um ihn herum. Mut und Stärke waren sein Gewand, seine Stiefel trugen den Namen „Frieden“ seine Schritte waren weich und ebneten den Weg, seinen Spuren folgten die anderen Kinder und um seine Hüften schnallte er sich jeden Morgen das Schwert der Gerechtigkeit. Sah man in seine leuchtenden Augen, flossen einem Güte und Treue entgegen. Sein Herz war sanft und warm  wie der erste Hauch Frühling nach einem strengen Winter. Aus ihm flossen Bäche des Lebens und sie durchtränkten und belebten sein Umfeld. Mit den Langsamen hatte er Geduld und für die Einsamen Liebe. Von den Starken fühlte er sich nicht bedroht denn er weil er wusste woher er kam und wohin er ging.

Dort wo er war sahen die Menschen auf, dort wo er sprach horchten die Menschen auf und da wo er sich setzte war er nie allein. Er wuchs auf in einem Land was hier keiner kannte und er sprach von Sachen die hier noch keiner gehört oder gesehen hatte.

Eines Tages war es soweit. Er war erwachsen geworden. Verändert hatte er sich nicht. Seine Augen waren immer noch die gleichen, das Herz immer noch voller Liebe und Sanftmut und seine Füße gingen immernoch den Weg der Wahrheit. Nur dass er größer und stärker geworden war. An seinem Körper sah man schon so manche Narben die von Kämpfen erzählten, die er hinter sich gehabt haben muss. Doch sie haben ihn nicht geschwächt sondern ihn zu dem gemacht was er jetzt ist.
Stark und aufrecht ging er an jenem Tag durch das inzwischen wieder aufgebaute Stadttor. Er sprach von einem König dem er weiter dienen wollte. Als er ging hatte er nicht viel bei sich. Das Gewand der  Stärke und des Mutes umhüllten ihn, er trug wie gewohnt die Stiefel der Wahrheit, die Krone des Friedens und das Schwert der Gerechtigkeit schmückten ihn.

So verließ uns unser Ritter der Barmherzigkeit- wie wir ihn liebevoll nannten- an jenem Tag, um dem König weiter zu dienen von den wir hier nur gehört hatten- er aber scheinbar all die Jahre die er bei uns lebte- kannte.

Wir wünschten ihm Glück und Wohlstand. Denn das waren die Dinge die wir hier in unsere Stadt am meisten vermissten… und wir hofften dass er eines Tages wieder kommen würde…

Ich liebe die Vielfalt und Kreativität des Lebens, ich liebe es einzigartige Momente auszukosten, Augenblicke festzuhalten und manchmal auch Lebensweisheiten.
Ich liebe Ästhetik in all ihrer Sinnlichkeit und Feinheit, ja und auch Kunst in all ihrer Form und ihrer Freiheit. Ich liebe es zu „erschaffen“ nicht nur rein zweckmäßig, sondern weil ich lebe  „erschaffe“ ich.  Ich liebe es mit Worten zu spielen und sie so aneinander zu reihen als würde ich mit ihnen ein Bild malen. Ich liebe es mein Leben damit zu füllen. Ich will all das in meinem Leben nicht missen, denn ohne sie würde sich mein Leben grau und bedrückend anfühlen.

So wie manche Hochhäuser in den Städten aussehen. Über ihnen hängen dunkle graue Wolken und umhüllen diese mächtigen Riesen- selbst wenn die Sonne scheint. Nur manchmal können wir diese schweren Wolken sehen- aber da sind sie immer. Egal wie das Wetter aussieht- wenn du verstehst was ich meine…
Aber zum Glück oder Gott sei Dank erschafft die Kreativität wieder Blumen an diesen Orten,- die Musik malt die Wände wieder weiß, die Kunst haucht dem Ort wieder Leben ein und die Einzigartigkeit versprüht an diesen Orten bunte Farbspritzer, die  Augenblicke erscheinen wie funkelnde Sterne und die Poesi zieht wie ein lieblicher Duft zwischen den Häusern umher.

Davon gibt es einiges hier auf meinem Blog schon zu lesen und zu sehen, anderes wird noch kommen- was alles, das weiß ich nicht. Aber sicherlich wird das Leben diese Geschichten schreiben und das Leben wird auch diese Bilder malen. Oder sie sind schon geschrieben und gemalt und warten darauf gefunden zu werden und aufgesammelt und aufgeschrieben,…

Anne Rüschel

 

 

Mittagspause

Neulich im Café. Ich hörte eine Unterhaltung mit. Eigentlich ging es mich ja nichts an, aber es war so interessant. Ich legte mein Buch zur Seite, schaute prüfend über die Brillengläser und musterte ausgiebig die Personen die so eben meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zogen- unwissend. Und das sollte am besten auch so bleiben. Und mit „ganzer Aufmerksamkeit“ meinte ich auch wirklich- meine ganze Aufmerksamkeit. Mucksmäuschen still saß ich da, ich versuchte sogar extra leise zu atmen. Um jedes Wort zu verstehen. Nach ungefähr einer Viertelstunde, wurde die Unterhaltung durch ein schreiendes Kind unterbrochen. Lächelnd sah ich mir die Szene an und Erinnerungen wurden wach,..
Ich schaute aus dem Fenster, beobachtete die Menschen die eilig und geschäftig vorbeizogen und mein Blick folgte auch denen, die gemütlich vorbeischlenderten und gelegentlich neugierirg ins Café schauten. Ich hing meinen Gedanken nach,…
Besonders, diese Momente. Das Leben der anderen zieht an dir vorbei und du hast das Gefühl deines bleibt gerade stehen. Für einen Moment. Du hast Zeit mal zur Abwechslung deinen eigenen Gedanken zuzuhören, und empfindest dabei eine Stille und eine Tiefe. Du tauchst ab in eine Welt, die nur dir gehört und nur dir bekannt ist. Es ist wie in den Weiten und Tiefen eines Ozeanes….
Eine bekannte Melodie drang sanft an mein Ohr. Im Radio lief einer meiner Lieblingssongs. Erinnerungen die es auf einmal in mir hervorrief und ich musste unwillkürlich lächeln.
Draußen liefen immer noch viele Menschen vorbei, während ich genüsslich dieses Lied in mir auf saugte beobachtete ich die vielen unterschiedlichen Farben der Regenschirme die an mir vorbeispazierten. Es war schön, obwohl der Himmel regenverhangen war schien es, als würden die leuchtenden Farben der Schirme und Gummistiefel das Grau auslachen.
Zufrieden lächelte ich vor mich hin, der Kaffeeduft stieg mir in die Nase und ich war froh dass ich es warm und gemütlich hatte und im Sessel versinken konnte so lange und so tief ich wollte- oder das Geld für den Nachschlag reichte.
Ich beugte mich nach vorn, griff wieder nach dem Buch und schlug wieder die Seiten auf, bei denen ich stehen geblieben war, und wollte die nächsten Minuten von niemandem gestört werden.
Ich reiste mit den Hauptfiguren in ihre fernen Länder und klaute mit ihnen den reichen und geizigen Menschen das Geld. Als ich keine Lust mehr auf die Abenteuer in fernen Ländern hatte, klappte ich das Buch zu und trank den letzten Rest meines Kaffees leer. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass die Mittagspause vorbei war.
Während ich zahlte fing mein Gehirn schon wieder an zu arbeiten. Es versuchte die Zeichnungen zu beenden die vorhin liegen geblieben waren, es kalkulierte und jonglierte mit den Zahlen die in der Zwischenablage gelandet waren. Und im Geiste übte ich das Gespräch was ich mit den Kunden führen musste, die womöglich schon da waren.
Rasch klemmte ich das Buch unter den Arm, eilte die 15 Meter zum Büro hinüber, stolperte die Treppen hoch und stand schließlich im- wie ich fand- schönsten Architekturbüro der Stadt.

P.S. „Du musst fliegen“ (II)

Sie rannte und rannte, an der nächsten Ecke blieb sie keuchen stehen. Drehte sich um und nahm das Haus auf der gegenüberliegenden Seite ins Visier. Ihre Augen schätzten die Entfernung von Gartentor und Hauseingang ab. Dann hörte sie einen dumpfen Knall…

… sie riss die Augen auf und fand sich in ihrem Bett wieder. Wieder einmal.

Mit schweißnassen Händen fuhr sie sich durchs Haar. Schlafen konnte sie nicht mehr. In ihrem Kopf rannten die Gedanken weiter. Sie stand auf, ging in die Küche und holte sich ein Glas kaltes Wasser.
Sie setzte sich im Bademantel an den Küchentisch und schlug die Zeitung auf.

Ihr Blick fiel auf die Anzeige die sie fett markiert hatte. Mit der rechten Hand wählte sie die Nummer auf ihrem Telefon, mit der linken Hand legte sie schnell wieder auf, als sie merkte wie viel Uhr es war.

Hellwach und doch müde streifte ihr Blick die restlichen Anzeigen. Als sie anfing zu frösteln ging sie schnell wieder ins Bett und fiel die wenigen Stunden bis zum Morgengrauen in einen unruhigen Schlaf.

Um 8.00 Uhr morgens klingelte ihr Wecker. Pünktlich wie immer. Unpünktlich wie fast immer erschien sie dann auf Arbeit, mit einem großen Becher Kaffee in der rechten und der aktuellen Zeitung unterm linken Arm geklemmt. Sie wusste dass sie die Zeit nacharbeiten musste. Aber es machte ihr nichts, sie war gern allein im Büro, dann hatte sie das Gefühl dass die Minuten wie in Zeitlupe an ihr vorbei liefen und es kam ihr so vor als hätte die Stille ihr etwas zusagen. Sie mochte diese Momente. Denn dann konnten sich ihre Gedanken die Wege bahnen die zuvor durch das Klingeln der Telefone oder durch lautstarke „Konversationen“ ihrer Kollegen-wie sie es nannten, ständig unterbrochen wurden und nie ihr Ziel fanden.

Normalerweise ging ihr das auf die Nerven, das wussten die anderen auch, aber wie das so ist im Leben- nichts ist perfekt. Blablabla, wie oft hatte sie das schon gehört?! Genervt stellte sie ihren Kaffee ab, legte die Zeitung in ihr Fach und öffnete ihren Laptop. Sofort fielen ihr tausend Dinge ein die sie zu erledigen hatte und mit dem Öffnen der ersten Fenster, überflutete sie ein Schwall an Informationen. Sie stöhnt kurz auf und hätte sich am liebsten eine Ablenkung gesucht um dieser so verhassten Arbeit zu entfliehen. Aber was solls. Tag für Tag das Gleiche. An diese Routine hatte sie sich schon gewöhnt. Leider. War man im Leben nicht zu mehr berufen? Konnte das wirklich schon alles sein? Ihr fiel die vergangene Nacht ein. Gut dass sie wenigstens im Traum weglaufen konnte. Dann gingen ihr die Anzeigen durch den Kopf die sie vergangene Nacht durchgeblättert hatte. Vielleicht sollte sie doch,…?

Eine Männerstimme riss sie aus ihren Gedanken. Ihr Chef lehnte sich über ihren Schreibtisch. Er wusste einfach womit er bei ihr ankam- immer noch- obwohl es schon so lange her war und auch eine andere Geschichte ist… Und er sah sie an mit dem Blick an der ihr verriet, dass es zwecklos war sich herauszureden. Er wusste so gut wie kaum ein anderer was in ihr vorging. Diese Dinge hatten sich nicht geändert.

Sie antwortete auf seinen Blick mit einem tiefen Seufzen und wendete ihren Blick wieder Richtung Arbeit.

Sie verlor die Zeit aus dem Blick, erst als sie merkte dass es still um sie geworden war fiel ihr auf, dass sie inzwischen fast allein im Büro saß. Ihr Kaffee war kalt geworden und die Zeitung lag unberührt im Fach neben ihr. Sie lehnte sich zurück, holte tief Luft und sah, dass die Letzten gegangen waren. Ihre Gedanken erlaubten sich einen kleinen Ausflug und malten ihr mal wieder ein Bild vom Leben wie es hätte sein können. Sie sah die alte Schuhmaschine die ihrem Großvater gehörte, sie sah wie ihre Großmutter mit ihren geschickten Händen Tischdecken und Kissenbezüge bestickte. Oft hatte sie als Kind viel Zeit bei ihnen verbracht und gedacht wie verrückt es doch wäre beides zu kombinieren. Verrückt hielten auch die anderen ihre Idee und belächelten sie. Also packte sie diese für sie so wertvolle und teure Fracht in ihr Herz so dass sie einst geboren werden konnte- oder auch nicht.

Müde und erschöpft packte sie ihre Sachen zusammen und machte sich auf den Heimweg. Die Straßen waren noch gut gefüllt. Es hatte ein bisschen angefangen zu Regnen. Da die Luft aber noch warm war kam es ihr eher wie eine Erfrischung vor. Es duftete nach Erde und Asphalt. Die Straßenlampen leuchteten in der Dämmerung wie treue Weggefährten. Und sie schlenderte an den Geschäften vorbei. Blieb vor den Schuhgeschäften stehen und musste an ihren Traum denken, den sie tief im Herzen vergraben hatte, sich aber langsam seinen Weg nach oben bahnte.

Dann hörte sie auf einmal eine Stimme die ihr zuflüsterte „Du musst fliegen“. Sie drehte sich erstaunt um, da war niemand. Also schon, jede Menge Leute die eilig an ihr vorbeigingen. Komisch- wo kamen diese Worte her? Einbildung?
Sie sah auf die Schuhe, und wieder zurück in die Menschenmasse, die wie ein Schwarm Fische an ihr vorbeizog und wieder auf die Schuhe, formte mit ihren Lippen die Worte die ihr soeben zu geflüstert wurden und wusste auf einmal was sie zu tun hatte.

Hausaufgaben gemacht (II)

…denn alles was er tat brachte Erfolg….
nun, er lebte und arbeitete als ein junger, angesehener und geachteter Sklave im Hause eines königlichen Beamten. Ende gut alles gut.
Tja, wäre nett, wenn das Leben nett wäre…

Nach dem die Frau seines Vorgesetzten ihn erfolglos „verführte“,  erzählte sie ihrem Mann- aus Ärger über ihren missglückten Ehebruch (wie peinlich)- dass dieser Sklave, den er ins Haus geholt hatte, sie genötigt hätte mit ihr zu schlafen.
Das was dann folgte- logische Konsequenz. Er verlor seinen Job und landete im Knast. Kalt, düster, dreckig und langweilig.

Was er war: einsam. Was er hatte: nichts.
Außer der Freundschaft zu seinem lebendigen Gott.
Und das war alles was er brauchte. Denn alles was er tat, brachte Erfolg. (1. Mose 39,23)

Und so kam er zu der Ehre, Aufseher seiner Mitgefangenen zu werden und für alles verantwortlich zu sein, was dort geschah.
Zwei Jahre verbrachte er dort bis ihm seine „Traumgabe“ sein SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG wurde.
Was geschah in den zwei Jahren?
Ich glaube wäre er einer von der agressiven Sorte gewesen und hätte er sich von seiner schlechtesten Seite gezeigt, wären aus den zwei Jahren schnell zwanzig geworden. Oder zwölf. Oder was dazwischen.

Was er in dieser Zeit sicherlich nicht ahnte war, dass die zwei Jahre Staatsgefängnis „nur“ eine weitere „Haltestelle“ für ihn sein sollte. Eine Schule die ihn auf das vorbereitete, was danach auf ihn zu kommen würde.
Alle seine Skills die ihm noch fehlten um auf der Stufe weiter nach oben zu klettern sammelte er dort ein.
Er hatte seine Hausaufgaben gemacht und ihm sollte mehr anvertraut werden, denn er war zu höherem berufen…