Mittagspause

Neulich im Café. Ich hörte eine Unterhaltung mit. Eigentlich ging es mich ja nichts an, aber es war so interessant. Ich legte mein Buch zur Seite, schaute prüfend über die Brillengläser und musterte ausgiebig die Personen die so eben meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zogen- unwissend. Und das sollte am besten auch so bleiben. Und mit „ganzer Aufmerksamkeit“ meinte ich auch wirklich- meine ganze Aufmerksamkeit. Mucksmäuschen still saß ich da, ich versuchte sogar extra leise zu atmen. Um jedes Wort zu verstehen. Nach ungefähr einer Viertelstunde, wurde die Unterhaltung durch ein schreiendes Kind unterbrochen. Lächelnd sah ich mir die Szene an und Erinnerungen wurden wach,..
Ich schaute aus dem Fenster, beobachtete die Menschen die eilig und geschäftig vorbeizogen und mein Blick folgte auch denen, die gemütlich vorbeischlenderten und gelegentlich neugierirg ins Café schauten. Ich hing meinen Gedanken nach,…
Besonders, diese Momente. Das Leben der anderen zieht an dir vorbei und du hast das Gefühl deines bleibt gerade stehen. Für einen Moment. Du hast Zeit mal zur Abwechslung deinen eigenen Gedanken zuzuhören, und empfindest dabei eine Stille und eine Tiefe. Du tauchst ab in eine Welt, die nur dir gehört und nur dir bekannt ist. Es ist wie in den Weiten und Tiefen eines Ozeanes….
Eine bekannte Melodie drang sanft an mein Ohr. Im Radio lief einer meiner Lieblingssongs. Erinnerungen die es auf einmal in mir hervorrief und ich musste unwillkürlich lächeln.
Draußen liefen immer noch viele Menschen vorbei, während ich genüsslich dieses Lied in mir auf saugte beobachtete ich die vielen unterschiedlichen Farben der Regenschirme die an mir vorbeispazierten. Es war schön, obwohl der Himmel regenverhangen war schien es, als würden die leuchtenden Farben der Schirme und Gummistiefel das Grau auslachen.
Zufrieden lächelte ich vor mich hin, der Kaffeeduft stieg mir in die Nase und ich war froh dass ich es warm und gemütlich hatte und im Sessel versinken konnte so lange und so tief ich wollte- oder das Geld für den Nachschlag reichte.
Ich beugte mich nach vorn, griff wieder nach dem Buch und schlug wieder die Seiten auf, bei denen ich stehen geblieben war, und wollte die nächsten Minuten von niemandem gestört werden.
Ich reiste mit den Hauptfiguren in ihre fernen Länder und klaute mit ihnen den reichen und geizigen Menschen das Geld. Als ich keine Lust mehr auf die Abenteuer in fernen Ländern hatte, klappte ich das Buch zu und trank den letzten Rest meines Kaffees leer. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass die Mittagspause vorbei war.
Während ich zahlte fing mein Gehirn schon wieder an zu arbeiten. Es versuchte die Zeichnungen zu beenden die vorhin liegen geblieben waren, es kalkulierte und jonglierte mit den Zahlen die in der Zwischenablage gelandet waren. Und im Geiste übte ich das Gespräch was ich mit den Kunden führen musste, die womöglich schon da waren.
Rasch klemmte ich das Buch unter den Arm, eilte die 15 Meter zum Büro hinüber, stolperte die Treppen hoch und stand schließlich im- wie ich fand- schönsten Architekturbüro der Stadt.

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