Ritter der Barmherzigkeit- Für Moses

Normalerweise erzähle ich keine Geschichten, aber diese muss ich erzählen. Normalerweise mache ich auch nicht mehr viele Worte, ich bin schon alt. Meine Augen haben viel gesehen. Gutes und schlechtes. Meine Ohren haben schon viel gehört, und meine Füße sind viele Wege gegangen- Umwege und Irrwege, solche die leicht sind und auch jene die mühsam bergauf gehen. Mal allein, mal in Gemeinschaft.
Vieles ist lohnenswert, und so viel vergeudete Energie. Deswegen wähle ich meine Worte weise aus um das Gute damit zu erschaffen und dem schlechten die Tür zu schließen.
Normalerweise erzähle ich keine Geschichten aber diese muss ich erzählen,…

Ich war einmal in einem Land unterwegs was ich mir nicht selbst aussuchte. Ich lebte dort in einer Stadt in der die Menschen müde waren und viel arbeiteten. Die Mauern der Stadt waren nur unvollständig aufgebaut. Zum Wasserholen musste man ein Stück über die Wiesen durch den Wald gehen und wenn man in die Stadt hinein wollte kam man unweigerlich an armen und kranken Menschen vorbei.
Jeden Tag führte mein Weg dort vorbei. Ich wohnte in einem kleinen Zimmer unter dem Dach eines alten Häuschens. Sein Besitzer war ein alter Mann der sich kaum für jemanden.
Ab und zu saß ich am Fenster und sah den Kindern beim Spielen zu. Es gab einen Jungen der nicht an diesen Ort passte, denn so wie er war war so anders als all das um ihn herum. Mut und Stärke waren sein Gewand, seine Stiefel trugen den Namen „Frieden“ seine Schritte waren weich und ebneten den Weg, seinen Spuren folgten die anderen Kinder und um seine Hüften schnallte er sich jeden Morgen das Schwert der Gerechtigkeit. Sah man in seine leuchtenden Augen, flossen einem Güte und Treue entgegen. Sein Herz war sanft und warm  wie der erste Hauch Frühling nach einem strengen Winter. Aus ihm flossen Bäche des Lebens und sie durchtränkten und belebten sein Umfeld. Mit den Langsamen hatte er Geduld und für die Einsamen Liebe. Von den Starken fühlte er sich nicht bedroht denn er weil er wusste woher er kam und wohin er ging.

Dort wo er war sahen die Menschen auf, dort wo er sprach horchten die Menschen auf und da wo er sich setzte war er nie allein. Er wuchs auf in einem Land was hier keiner kannte und er sprach von Sachen die hier noch keiner gehört oder gesehen hatte.

Eines Tages war es soweit. Er war erwachsen geworden. Verändert hatte er sich nicht. Seine Augen waren immer noch die gleichen, das Herz immer noch voller Liebe und Sanftmut und seine Füße gingen immernoch den Weg der Wahrheit. Nur dass er größer und stärker geworden war. An seinem Körper sah man schon so manche Narben die von Kämpfen erzählten, die er hinter sich gehabt haben muss. Doch sie haben ihn nicht geschwächt sondern ihn zu dem gemacht was er jetzt ist.
Stark und aufrecht ging er an jenem Tag durch das inzwischen wieder aufgebaute Stadttor. Er sprach von einem König dem er weiter dienen wollte. Als er ging hatte er nicht viel bei sich. Das Gewand der  Stärke und des Mutes umhüllten ihn, er trug wie gewohnt die Stiefel der Wahrheit, die Krone des Friedens und das Schwert der Gerechtigkeit schmückten ihn.

So verließ uns unser Ritter der Barmherzigkeit- wie wir ihn liebevoll nannten- an jenem Tag, um dem König weiter zu dienen von den wir hier nur gehört hatten- er aber scheinbar all die Jahre die er bei uns lebte- kannte.

Wir wünschten ihm Glück und Wohlstand. Denn das waren die Dinge die wir hier in unsere Stadt am meisten vermissten… und wir hofften dass er eines Tages wieder kommen würde…

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